27. Januar 2010
Um Tiere zu therapieren, die an Angst, einem Trauma oder gar einer Phobie leiden, bietet sich die klassische Gegenkonditionierung an. Das bedeutet, dass das, was der Hund auf Grund der klassischen Konditionierung als Angst einflößend kennengelernt hat nun für ihn äußerst attraktiv gestaltet wird, um seine Angst zu verringern oder gar zu heilen. (BM/TAZ2010)
Phobien entwickeln sich unabhängig von einem bestimmten Ereignis oder Trauma. Eine Phobie ist eine krankhafte, das heißt unbegründete und anhaltende Angst vor Situationen, Gegenständen, Tätigkeiten oder Personen und äußert sich im übermäßigen, unangemessenen Wunsch, den Anlass der Angst zu vermeiden. Die klassische Konditionierung ist ein Grund für die Entwicklung von Phobien bei Hunden. Hunde sind sehr gute Beobachter – nicht nur bei ihren Haltern. Ereignisse, die sich regelmäßig wiederholen und für den Hund eine Angst einflößende Situation schaffen, können sich zu Phobien ausweiten. (BM/TAZ2010)
Die Klassische Konditionierung wurde von Iwan Petrowitsch Pawlow entdeckt. Sie besagt, dass einem natürlichen, meist angeborenen, sogenannten unbedingten Reflex durch Lernen ein neuer, bedingter Reflex hinzugefügt werden kann: Gegeben sei ein unbedingter Reiz, der als Reflex eine unbedingte Reaktion auslöst. (BM/TAZ2010)
Angst bei Hunden, kann zum Beispiel durch Schmerz verursacht werden. Hunde können uns lediglich durch ihre Mimik und Körpersprache mitteilen, dass ihnen Berührungen z.B. auf Grund von Schmerzen unangenehm sind. Einige Hunde setzen dann auch das Knurren ein, dass dann von den Haltern meist als Dominanz oder Aggression gedeutet wird. Zeigt ein Hund erst einmal angstaggressives Verhalten, reagieren viele Halter falsch und bestrafen den Hund dafür, da es für den Menschen eine natürliche Reaktion ist, auf das Anknurren selbst ängstlich zu reagieren. Die Folge dessen kann sein, dass der Hund das Knurren zwar einstellt, aber dadurch dass die Halter die restliche Körpersprache ihres Hundes nicht deuten können oder ignorieren, zu einer „tickenden Zeitbombe“ wird. Irgendwann, wenn der Hund keinen anderen Ausweg mehr sieht, wird er zubeißen. (BM/TAZ2010)
Ereignisse, die einen Hund zutiefst erschrecken und/oder verstören, können auch beim sehr gut sozialisierten Hund ein Trauma auslösen. Ein Trauma ist ein tiefer Schock. Das bemerkenswerte ist, dass das Trauma nicht sofort sichtbar ist und beim Hund und auch beim Menschen erst langsam „heranzureifen“ beginnt. Die Situation, die den seelischen Schock beim Hund oder beim Menschen auslöste, wird im Laufe der Zeit von der traumatisierten Person oder dem traumatisierten Hund verallgemeinert und die traumatischen Störungen (z.B. Aggression) richtet sich dann nicht nur auf die Schock auslösende Situation oder Person, sondern wird auf die betreffende Personengruppe oder ähnliche Situationen ausgeweitet. Mit viel Geduld und Arbeit ist ein Trauma auch bei Hunden heilbar. (BM/TAZ2010)
Der Ursprung des ängstlichen Verhaltens bei Hunden liegt in deren Vergangenheit. Wölfe, die ja bekanntermaßen die Urväter der Hunde sind, haben von Natur aus ein scheues Verhalten Menschen gegenüber. Genauer gesagt, verhalten Sie sich allem Unbekannten gegenüber scheu. Dies ist der Grund dafür, dass Angst und Scheu auch heute noch in den Genen unserer Hunde vorhanden ist und sich mehr oder minder schwer äußert. (BM/TAZ2010)
Wie bereits oben beschrieben, ist Angst oder Scheu und dessen Äußerungen genetisch bedingt, was aber nicht bedeutet, dass das ängstliche Verhalten sofort nach der Geburt einsetzt. Trotz der Anlage zur Ängstlichkeit können mehrere Wochen oder auch Monate vergeben, bis Hunde eindeutige Anzeichen für Angst oder Scheu zeigen. (BM/TAZ2010)
Angst und die Art und Weise, wie sie sich bei Hunden äußert, ist genetisch bedingt. Hunde, in deren Gehirn zuviel vom Botenstoff Serotonin produziert wird, neigen zu Angststörungen, da zuviel Serotonin die Amygdala überlastet. Die Veranlagung zu Angststörungen wird wahrscheinlich bei Hunden vererbt, da Forscher in einer 2002 erschienenen Studie zu dem Ergebnis kamen, dass Hunde, die beim Stabilisieren eines mit Futter gefüllten Spielzeugs, keine Pfote besonders bevorzugten, mehr zu Angststörungen neigen, als Hunde die entweder die rechte oder die Linke Pfote bevorzugt einsetzten. (BM/TAZ2010)
Hunde haben einen ausgezeichneten Geruchssinn. Sie können nicht nur kleinste Duftspuren erkennen und verfolgen, sie können auch Düfte unterscheiden. Für einen Hund ist es kein Problem, die einzelnen Komponenten eines Dufts zu erkennen. Da Hunde sehr hoch ausgeprägte olfaktorische Fähigkeiten besitzen, kann dies sehr gut beim Erlernen des Grundgehorsams oder von Tricks eingesetzt werden. Hunde werden, genau wie Menschen, durch Essen motiviert – es macht sie glücklich. Durch die Belohnung eines richtig ausgeführten Kommandos lernt der Hund, dass es positiv ist, auf den Halter zu hören. Genau dieser Effekt bewirkt auch, dass die Gabe von Leckerchen im Laufe der Zeit reduziert werden kann und schließlich gar kein Futter für das Ausführen eines Kommandos gegeben wird, da der Hund „gelernt“ hat, dass es positiv ist auf den Halten zu reagieren. (BM/TAZ2010)
Das Mittelhirn, dessen Strukturen das limbische System bilden, steuert sowohl beim Menschen als auch beim Hund die Gefühle. Die Informationen der Umwelt werden von Augen und Ohren an das Mittelhirn weitergeleitet und dort in der so genannten Amygdala in Gefühle umgewandelt. Im Hippocampus, an den diese Gefühle weitergeleitet werden, gleicht die Informationen und die Gefühle mit bereits gemachten Erfahrungen ab und sendet ein Signal an den Teil des Gehirns, der für das Treffen von Entscheidungen zuständig ist. (BM/TAZ2010)