23. November 2009
Eine Domestikationserscheinung des Haushundes ist die Bereitschaft zur Unterordnung. Der Hund hat es nicht nötig eine höhere Rangposition einzunehmen. Er bekommt sein Futter und braucht nicht für das Überleben der Gruppe zu sorgen. Fehlverhalten in vielerlei Form hat nichts mit Dominanz zu tun. Unser Hund will nicht oben stehen er muss nur wissen, wo er hingehört.
Aggressionen dem Menschen und andren Hunden gegenüber beruhen auf Missverständnisse und andere vom Menschen bewusst oder unbewusst hervorgerufene Störungen in der Kommunikation des Hundes mit seiner Umwelt. Wir sollten uns daher von dem Alphatier-Bewusstsein verabschieden.
Der Mensch muss lernen, in der Kommunikation mit dem Hund die Konfliktvermeidung in den Vordergrund zu stellen. Konflikte verursachen Stress beim Hund und Menschen. Werden diese Konflikte reduziert oder verschwinden ganz, kann sich der Hund in seiner Persönlichkeit entfalten und hat keinen Grund aufsässig, depressiv oder aggressiv zu sein. Konfliktlos zu sein bedeutet aber nicht inkonsequent in der Erziehung zu sein. Bestimmte Unmutsäußerungen des Menschen sind auch eine Konfliktlösung.
Soll der Hund ein unerwünschtes Verhalten nicht zeigen reicht eine klare Unmutsäußerung in Gestik und Mimik, die der Hund versteht. Ist das Vertrauen zwischen Mensch und Hund intakt, vermeidet der Hund dieses Verhalten in Zukunft, denn dadurch kann er einen Konflikt vermeiden und das ist sein ganzes Bestreben. Rumschreien, im Nacken schütteln, Schläge oder sonstige abenteuerliche und mittelalterliche Erziehungsmethoden, entsprechen genau dem Konflikt den der Hund vermeiden will und verunsichern ihn nur. Seine Beschwichtigungssignale werden dabei natürlich übersehen.
Definition
Die Rangordnung legt den individuellen Freiheitsgrad des eigenen Verhaltens im Umgang mit dem Sozialpartner und den Zugang zu bestimmten Objekten und Ressourcen fest.
Allgemeines
Hunde und Wölfe sind Rudeltiere und können nur in einer streng geordneten Hierarchie leben. Seit jeher bilden die Mitglieder dieser Gruppe eine Jagd- und Ernährungsgemeinschaft. Entgegen der Meinung wird ein Wolfsrudel nicht von einem Leitwolf geführt, sondern von einem Alpha-Rüden und einem Alpha-Weibchen. Zwischen erwachsenen Wölfen unterschiedlichen Geschlechts besteht, bei gleicher oder ähnlicher Rangposition, keine Dominanzbeziehung.
Geheimwaffe der Evolution “Konfliktvermeidung”
Hunde können sich weltweit und unabhängig ihrer Rasse verständigen. Die vom Menschen durch Zucht bewusst hervorgerufenen Degenrationen, wie Rutenlosigkeit oder kaum mehr sichtbare Gesichtsmimik, fordern vom Hund zum Teil „Ersatzsignale“. Eine verständliche Kommunikation kommt aber trotzdem zu Stande.
Das erste Ziel einer einfachen Kommunikation ist die Konfliktvermeidung (auch die Entwicklung der Sprache unserer Urahnen und das Tauschgeschäft (Geschenke machen) dürften in ihrer ursprünglichen Form dem Konfliktvermeiden, innerhalb der Gruppe und im Kontakt mit anderen Familienverbänden gedient haben).
Wäre dem nicht so, so würde sich der Vorteil gegenüber nicht so sozialen Nahrungskonkurrenten, in einer Gruppe mit flexiblen und friedlichen Verhaltensweisen zu leben, schnell in Luft auflösen. Aber auch bei den als Einzelgänger lebenden Tieren (wie Bären), die sich in der Regel nur zur Fortpflanzung treffen, wäre ohne diese beschwichtigenden Signale eine Fortpflanzung gar nicht möglich. Tierarten, die nur auf Konfrontation innerhalb der Art ohne jegliche Konfliktvermeidung aus sind, sind uns nicht bekannt, wie denn auch, sie sind bereits ausgestorben. Die Bereitschaft sich in eine Gruppe (Rudel) friedlich zu integrieren ist bei in Gruppen lebenden Tieren daher größer als der Drang die „Vormachtstellung“ zu übernehmen. Ausnahmen gibt es, wenn der alte Chef lebensbedrohliche Schwächen (z.B. Krankheit) zeigt die das Überleben der ganzen Gruppe gefährden.
Das Aufkommen von Aggressionen gegenüber dem Rudelführer innerhalb eines Wolfsrudels sollte daher als immer wiederkehrendes Antesten der rangniedrigen Tiere gesehen werden, ob der oder die „Alte“ noch alles im Griff hat und enden im Normalfall mit Beschwichtigung. Diese Tests sind niemals eigennützig, sondern dienen dem Überleben der Gruppe. Welpen und Jungtiere beteiligen sich nicht an diesen Tests.
Abwehrbellen
Ein Beispiel aus dem Alltag: Auf einer großen gut einsehbaren Wiese entdecken sich zwei starke und dominante Hunde. Mit großem trara und lautstarkem Bellen rasen beide Tiere aufeinander los, stoppen dann aber plötzlich ab, fixieren und analysieren den “Gegner” genauer.
Angstbellen
Furchteinflössende Gegenstände (z.B. eine flatternde Plane), Geräusche (Sylvester) oder Trennungsangst können neben anderen Ursachen diese Form des Bellens auslösen. In manchen Fällen kann auch eine tatsächliche Gefährdung des Hundes vorliegen. Auf dieses helle und hysterisch klingende Bellen, vermischt mit Jaulen und Schreien, sollte der Hundehalter immer reagieren, um zu vermeiden das eine tatsächliche Bedrohung für Leib und Leben des Hundes vorliegt. Bellt der Hund Gegenstände an, wie oben genannte Plane, handelt es sich um Unsicherheit des Hundes. Wir sollten dem Hund helfen, zu erkennen, dass keine Bedrohung von diesem Gegenstand ausgeht. Auf den Gegenstand zu füttern, selber Kontakt mit dem Gegenstand aufnehmen (ihn real anzufassen) und eine frühe Sozialisierung auf alle möglichen Gegenstände können hier helfen.
Frustrationsbellen
Diese Form finden wir häufig im Tierheim und/oder bei der Zwingerhaltung (bei Hunderassen die für diese Art der Haltung nicht geeignet sind). Die Hunde bellen in einem monotonen lang anhaltenden Interwall. Das dauernde allein sein und die nicht haushundgerechte Verwahrung führt bei vielen Hunden zu Frust und Stress. Dieser Frust äußert sich in stereotype (sich immer wiederholende) Verhaltensweisen. Das kann eben genanntes Bellen sein aber auch im Kreis laufen. Um hier Linderung zu schaffen hilft nur die Umwelt entsprechend anzupassen.
Bellen bei Aufregung
Jeder Hundebesitzer kennt das, vor positiver Aufregung und Vorfreude auf den nächsten Spaziergang wirbelt der Hund wie verrückt vor uns herum und bellt in hohen Tönen. Auch der Besuch eines vom Hund geliebten Ortes oder Spielgefährten kann dieses Bellen Auslösen. Aufregungsbellen darf nie bestraft werden. Im direkten Moment des Bellens sollte der Hund ignoriert werden. Vielmehr sollte versucht werden, den Stresslevel für den Hund zu minimieren.
Zum Erlangen von Aufmerksamkeit
Viele Hunde versuchen durch Bellen die Aufmerksamkeit des Besitzers oder eines potentiellen Spielpartners zu bekommen. Gelingt dieses nicht sofort, steigt oft der Ton immer weiter an und wird aufdringlicher. Bellt (Schimpft) man als Besitzer zurück, wird der Hund weiterbellen, denn es ist eine Kommunikation zustande gekommen, eine unangenehme zwar, aber immerhin etwas.

Lunas Kommentar:
*WuffWuff*
Eine Hundemutter würde niemals Ihren Welpen im Nacken packen und schütteln. Sie nimmt Ihr baby lediglich im Nacken auf und trägt es an eine andere Stelle.
Der Nackenbiss kommt aus dem Verhalten der Wölfe. Wenn ein Wolf einen Fehler gemacht hat, dann kommt es vor, dass das Leittier den Wolf schüttelt und ihn damit tötet.
Bei unserem modernen Haushund macht diese Geste eher das Vertrauen kaputt. Der Hund kann diese Art der Bestrafung nicht verstehen.
Hunde fressen Gras um den Stoffwechsel und damit den Ausscheidungsprozess anzuregen.
Sie lösen damit eventuelle, auch kleine Verdauungsprobleme. Grashalme wickeln sich um spitze und unverdauliche Reste im Magen und so werden diese Reste mit Hilfe des Grases nach außen befördert. Dadurch wird die Magensäure angeregt und Nahrung kann besser zersetzt und ausgeschieden werden.
Reicht die Magensäure nicht aus, werden diese Dinge samt dem Gras erbrochen. Das ist eine Selbstregulierung des Körpers und danach ist meist der Säurehaushalt im Magen wieder ausgeglichen.

Lunas Kommentar:
Na dann “Guten Appetit!”.
So genannte Machtspiele sollte man immer unterlassen. Wenn ich meinem Hund starr in die Augen blicke, dann bedrohe ich Ihn. Anstarren und Fixieren ist unter Hunden eine Drohgebärde. Schaut ihr Hund dann also weg, beschwichtigt er ihn.
Es gibt allerdings auch Hunde die sich auf dieses Spielchen einlassen.
In die Augen starren, sollte man selbst als Erziehungsmethode sein lassen.

Lunas Kommentar:
Ich weiß, wer bei uns der Herr bzw. die Frau im Hause ist, da sind solche Machtspiele überflüssig.
Viele Hundehalter denken, dass das Aufreiten rein sexuell motiviert sei. Aufreiten hat immer 2 Ursachen. Zum einen kann es sein, dass der Hund unsicher ist und über das Aufreiten versucht seine Stärke zu demonstrieren oder er ist sehr dominant und versucht durch das Aufreiten seine Stellung im Rudel klar zu machen. Aufreiten bei Menschen sollte immer unterbunden werden.
Der Hund hat einen Fehler gemacht und wird daraufhin vom Halter bestraft. Er wendet sich ab und zeigt dem Halter seinen Rücken oder zieht sich schnaufend in den Hundekorb zurück.
Jetzt denken viele Hundehalter, dass der Hund jetzt eingeschnappt ist. Das stimmt natürlich nicht. Denn Abwendung ist auch ein klassisches Beschwichtigungssignal.
Kennen Sie das auch, Ihr Lebenspartner kommt zu Besuch und begrüßt Sie freudig. Ihr Hund drängt sich dazwischen?
Ist das jetzt ein Zeichen von Eifersucht meines Hundes?
Nein. Hunde kennen keine Eifersucht. Es ist ein ganz normales Beschwichtigungssignal des Hundes. Der Hund „splittet“, dass heißt er bringt Menschen auseinander damit es „keinen Ärger“ gibt.
Oft fällt Hundehaltern im Bezug auf die Stubenreinheit Ihres Hundes auf, dass der Hund wohl ganz genau weiß, dass er da nicht hinmachen darf, es aber trotzdem tut. Dann zieht er nach Aussagen der Hundebesitzer immer reumütig in seinen Korb.
Doch hat ein Hund eigentlich ein schlechtes Gewissen?
Nein. Es sind immer Verknüpfungen mit bestimmten Abläufen, die sich der Hund merkt und nach denen er sein Verhalten ausrichtet.
Das heißt zum Beispiel: Ein Hund verwüstet zu Hause die Wohnung. Sein Halter kommt nach Hause und schimpft. Am nächsten Tag wird vom Hund wieder die Wohnung verwüstet, der Hundehalter kommt nach Hause und der Hund zeigt ein demütiges Verhalten. Dies zeigt er nicht, weil er ein schlechtes Gewissen hat oder weiß was er getan hat.
Der Hund hat lediglich verknüpft, dass es Ärger gibt, wenn der Hundehalter nach Hause kommt. Ihm ist nicht bewusst, dass er dafür bestraft wird, dass er die Wohnung verwüstet hat.